Angela Schwank, 2005

 

In den vergangenen zwei Jahren hat Brigitte Konyen den Typus "Flechtbild" unter Verwendung fotografischen Materials weiterentwickelt.
Für die älteren Flechtbilder wurde bemalte Leinwand, Tapeten oder Karton in Streifen zerschnitten und diese zu neuen Bildobjekten verflochten bzw. gewebt.
Als Ergebnis eines Flechtwerks entsteht in einer geometrischen Rasterung ein abstraktes, multifokales Bild.
Die Fotoflechtbilder beziehen das Prinzip des Flechtwerks auf den Prozess des Erinnerns (Montage des Erinnerns) und die Selektivität bzw. Ausschnitthaftigkeit von Erinnerungs-Bildern. Sie führen den Gedanken der Multifokalität weiter: wie kleine "Erinnerungsversatzstücke" erscheinen im Raster der Bildfläche Ausschnitte von Fotografien, in denen die Künstlerin Alltagsszenen, Momentaufnahmen von Personen in Aktion und Landschaften als Elemente ihrer persönlichen Lebenswelt festgehalten hat. Ihre Anordnung wird im Flechtwerk der Bilder von großskaligen Motiven in der Art einer „thematischen Klammer" durchdrungen.

 

In den großformatigen Fotoflechtbildern von Brigitte Konyen steht der Prozess des Erinnerns, die „Montage des Erinnerns" im Vordergrund.
Ohne Halt am altvertrauten Muster (das im Lichte der hier vorgeführten radikalisierten Subjektivität selbst ein Konstrukt ist), gerät das Erinnerungsbild förmlich aus den Fugen:
es ist immer neu und anders, in verschiedensten Bezügen konstruierbar. Das Konstrukt wird hier handwerklich manifest als Flechtwerk von in fragmentarische Teile zerschnittenen Fotografien (größtenteils persönliche Erinnerungsfotos).
Struktur und Ordnung sind etwas Selbstgemachtes und in ihrer Art offen für variable Zusammensetzungen und Bezüge der Bildinhalte.

 

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