Brigitte Konyen wurde in Gmunden in Oberösterreich geboren und lebt in Wien. Ihre Schwerpunkte sind Fotografie, Installation und Objektkunst; schon sehr lange arbeitet sie in dem Medium „Foto-Flechtbild", bei dem Fotos nicht Endresultat, sondern Ausgangsmaterial für neue Bildkonstruktionen sind. Zahlreiche Ausstellungen und auch kuratorische Projekte kennzeichnen ihre Biografie. In handwerklich aufwändigen Arbeitsprozessen verwebt Konyen in schmale Streifen geschnittene, identische oder verschiedene Fotografien – oft persönliche Erinnerungsbilder – oder sie montiert seit neuestem auch aus in Stücke gerissene Fotografien mit Stecknadeln zu neuen Bildern zwischen Realität und Illusion. Durch das Zerschneiden bzw. Zerstückeln wird eine Zerstörung des Ausgangsmaterials betrieben – ein destruktiver Akt, der ein Misstrauen gegenüber dem sogenannten realitätsgetreuen fotografischen Abbild beinhaltet. Bei der Montage der Streifen bzw. Fotostücke findet eine Verschiebung und pixelhaft bzw. pointillistisch wirkende Fragmentierung des Motivs statt. Landschafts- bzw. Natur-, Personen- und Alltagsfotos werden zu mehr oder weniger abstrakten Rasterbildern, in denen Komposition, Perspektive und Raum-Zeit-Gefüge der Ausgangsfotos gesprengt werden. So haben die Bilder auch Titel wie u.a. „abstracts" oder „decomposition". Die Verweigerung eindeutiger Lesbarkeit dieser künstlichen Konstrukte eröffnet gleichzeitig neue Bezüge und Erzählungen und führt die Mehrschichtigkeit von Realität vor Augen. Die BetrachterInnen werden zu einem Suchen nach Anhaltspunkten in diesen zum Teil mysteriösen, konstruierten Wunderwelten animiert, wobei sie sich in einem schwankenden Zustand zwischen Irritation und Erhellung, Illusion und Realität, Konfusion und Ordnung aufhalten.
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Petra Noll-Hammerstiel, 2017


 

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