Polastories ist eine 20-teilige Serie, die sich mit der subjektiven Ladung von Bildern und der fragilen Konstruktion visueller Wahrheit auseinandersetzt. Indem ich Fotografien – losgelöst von ihrem ursprünglichen Kontext – mit zufälligen Kommentaren paare, untergrabe ich bewusst ihre Neutralität. Die Bilder werden aus ihrem ursprünglichen faktischen Kontext herausgelöst und in neu erfundene narrative Rahmen eingefügt.
Durch diesen Eingriff ist die Bedeutung nicht mehr in der Dokumentation verankert, sondern wird fließend, instabil und spekulativ. Die hinzugefügten Kommentare fungieren als narrative Auslöser: Sie suggerieren Erklärungen, Emotionen oder Ereignisse, die vielleicht nie stattgefunden haben, doch sie verändern sofort die Wahrnehmung des Betrachters. Was dokumentarisch erscheint, wird fiktional; was authentisch wirkt, entpuppt sich als konstruiert.
Die bewusste Verwendung eines (gefälschten) Polaroid-Formats verstärkt diese Spannung. Polaroids versprechen traditionell Unmittelbarkeit – einen ungefilterten Blick auf eine flüchtige Gegenwart, ein vermeintlich wahrhaftiges Fragment der Realität. Indem diese Ästhetik simuliert wird, verweist das Werk auf den Glauben an die Sofortbildfotografie als Beweis, während es diesen Glauben gleichzeitig untergräbt. Das Format evoziert Authentizität, auch wenn die dahinterstehende Erzählung erfunden ist.
In „Polastories“ verschmelzen Fakt und Fiktion miteinander. Die Serie präsentiert sich offen als konstruierte Illusion, zeigt jedoch, wie leicht Bilder neue Bezüge, Assoziationen und persönliche Erzählungen hervorbringen. Der Betrachter wird so zum Mitgestalter der Geschichte.
Letztendlich hinterfragt das Werk nicht nur die Zuverlässigkeit von Bildern, sondern auch unseren Wunsch, ihnen zu glauben. Es reflektiert darüber, wie Bedeutung durch Kontext, Bildausschnitt und Sprache ständig neu geschrieben wird – und wie jedes Bild, unabhängig von seiner Herkunft, offen für Neuinterpretationen bleibt.
Brigitte Konyen 2023